Münchner Merkur 10. November 2008
… Das Programm wechselte zwischen eigenen Arrangements von Peter Wegele und den Interpretationen der Musik des amerikanischen Pianisten, Komponisten und Dirigenten George Gershwins. Seiner ruhigen Musik, die schnell auch andere Gesichter zeigt, widmen sich die Beiden mit großem Respekt. Folglich gab es viel von Gershwins Lebenswerk zu hören, wie den weltberühmten Jazz-Standard „The Man I Love“. Das Englischhorn gab diesem Stück eine andere Note, als man sie … im Original von Gershwin kennt.
Ähnlich verhielt es sich mit dem klassischen Klavierstück „Prelude Nr. 2“ des Amerikaners. Darin begann Wegele am Flügel dramatisch. Er setzte einzelne, dunkle Töne und ließ ihnen die Zeit, sich über den Resonanzkörper langsam zu verflüchtigen. Wienerts Oboe legte sich ein wenig später sanft und melancholisch über die Einstiegsinszenierung. Ein schwieriges Stück, das nach und nach in einen schnellen Wechsel von Tempo und Ruhe verfiel. Bei der Interpretation von Passagen aus Gershwins Oper „Porgy and Bess“ gelang es der Berliner Musikerin, mit der Oboe oder dem Englischhorn das gleiche Gefühl zu vermitteln, wie es ein Text per Gesang nicht viel besser aussprechen könnte.
Zwischen die romantischen Balladen, mischten sich immer wieder eigene Arrangements von Wegele, die frecher wurden, die Dynamik und Rhythmik ins Geschehen brachten. So hob sich ein „vogelwildes Stück“, wie der Jazz-Pianist es ankündigte, stark von allem übrigen des Abends ab. Es war eine verjazzte Improvisation eines serbischen Volksliedes, mit einer unglaublichen Geschwindigkeit … Heiterkeit und Frohsinn drückte das Stück aus, doch zusehends wurden die Klanglinien gegenläufig, verwickelten sich, tanzten und hüpften, bis sie letztlich an eine ausgelassene Stimmung am Rummelplatz erinnerten. Die schnellen Jazz-Passagen von Wegele am Flügel forderten die gemächlichen Orchesterinstrumente von Annedore Wienert ordentlich heraus, doch verstand sie es, mit strenger Führung aus ihnen ungeahntes Temperament zu locken.
Die Kombination aus ruhige Balladen und dreistem Jazz ist den beiden Musikern auf “Necessarily Two” geglückt.
(Andrea Weber)